Inklusion beginnt im Klassenzimmer: So starten Kinder mit Cochlea-Implantaten erfolgreich ins Schuljahr
21. August 2025 – (Innsbruck, Österreich): MED-EL, ein weltweit führender Hersteller von Hörimplantaten, weiß, wie wichtig es ist, Kinder mit Cochlea-Implantaten am Schulanfang – oder sogar am allerersten Schultag – zu unterstützen. Diese Zeit ist für viele Familien aufregend – bringt aber auch Fragen mit sich, wie die Hörbedürfnisse ihres Kindes im Klassenzimmer bestmöglich berücksichtigt werden können.
- Was Eltern von CI-Nutzern vor dem Schulstart wissen sollten
- Wie Schulen barrierefreie Klassenzimmer für Kinder mit Cochlea-Implantaten gestalten können
- Was später implantierte Kinder brauchen – und wie Lehrkräfte zum Lernerfolg beitragen können
Kinder mit Hörverlust können in Regelschulen erfolgreich sein, wenn sie mit Verständnis, Vorbereitung und Zusammenarbeit zwischen Familien, Pädagog*innen und Reha-Spezialist*innen unterstützt werden. MED-EL will zu einer erfolgreichen Schullaufbahn beitragen.
„Der Start in ein neues Schuljahr ist ein Meilenstein für jedes Kind – und für Kinder mit Cochlea-Implantaten auch ein Moment, um ihre Erfolge zu feiern und stolz darauf zu sein, wie weit sie gekommen sind“, sagt Patrick D’Haese, Director of Awareness and Public Affairs bei MED-EL. „Mit der richtigen Unterstützung können diese Kinder uneingeschränkt am Unterricht teilnehmen, lernen und Spaß in der Klassengemeinschaft haben. Es ist entscheidend, dass Lehrpersonen, aber auch Klassenkamerad*innen ihre Bedürfnisse verstehen und ihr Potenzial erkennen.“
Eltern als starke Partner*innen
Eltern unterstützen ihre Kinder nicht nur – sie sind die wichtigsten Partner*innen auf dem Bildungsweg ihres Kindes. Für Kinder mit Cochlea-Implantaten beginnt ein erfolgreicher Schulalltag lange vor dem ersten Unterrichtstag. Eltern spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung eines reibungslosen Starts: Sie können ihrem Kind zu Hause Selbstvertrauen schenken und den Lehrkräften die Bedürfnisse ihres Kindes beim Hören näherbringen. „Eltern sind die ersten und wichtigsten Fürsprecher*innen ihres Kindes“, sagt Joanna Shepherd, Head of Rehabilitation bei MED-EL. „Indem sie Einblicke in die Hörbedürfnisse ihres Kindes geben, eine gute Kommunikation mit Lehrkräften aufbauen und Selbstvertrauen fördern, legen sie den Grundstein für eine positive Schulerfahrung.“
Tipps für Familien, damit sich Kinder mit CI in der Schule entfalten können:
- Treffen Sie sich mit den Lehrkräften, bevor die Schule beginnt, um Hörtechnologie, bevorzugte Kommunikationsmittel und Hilfsmittel wie FM-Systeme* des Kindes zu erklären.
- Üben Sie den Schulalltag zu Hause und stellen Sie sicher, dass der Audioprozessor Ihres Kindes einwandfrei funktioniert.
- Vermitteln Sie wichtige Vokabel zu kommenden Unterrichtsthemen bereits vorab, damit Ihr Kind Gesprächen im Klassenzimmer besser folgen kann.
- Üben Sie Kommunikationsstrategien, wie zum Beispiel um Wiederholung zu bitten („Können Sie das bitte noch einmal sagen?“) oder zu bestätigen, dass das Kind alles richtig verstanden hat („Haben Sie gesagt...?“).
- Nutzen Sie Unterlagen wie das „Alles über mich“-Schülerprofil, um den Lehrer*innen die Stärken, Bedürfnisse und Vorlieben des Kindes zu vermitteln.
- Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes und ermutigen Sie es, selbstbestimmt zu sprechen, wenn es Hilfe oder eine weitere Erklärung benötigt.
- Bleiben Sie in regelmäßigem Kontakt mit der Schule und nutzen Sie Kommunikationsmethoden, die für beide Seiten am besten funktionieren, egal, ob E-Mails, ein Mitteilungsheft oder kurze persönliche Besuche.
„Meine Kinder haben von Anfang an einen Regelkindergarten und eine reguläre Grundschule besucht“, erzählt Michaela, Mutter von zwei Kindern mit CI. „Ich habe die Kindergartenleitung sofort über die besonderen Bedürfnisse meiner Kinder informiert. Außerdem habe ich für ausreichend Batterien gesorgt und Infoblätter zur Handhabung der Audioprozessoren bereitgestellt. Als die beiden in die Schule kamen, haben wir sonderpädagogischen Förderbedarf beantragt und sichergestellt, dass sie FM-Systeme* bekommen. Der Lehrkörper und die Schulleitung haben den Kindern viel Verständnis entgegengebracht und sie sehr gefördert. Natürlich gibt es auch Dinge zu beachten, wie zum Beispiel ruhige Sitznachbarn neben sich zu haben und den Kindern nach der Schule Ruhephasen zu gönnen, weil das Zuhören anstrengend sein kann.“
So wie Michaela haben sich auch andere Eltern bereit erklärt, ihre persönlichen Erfahrungen und ihr Wissen zu den Themen Kindergarten und Schule zu teilen.
Sie alle sind Hörberater der Initiative „Leben mit Hörverlust“ und stehen für eine persönliche Kontaktaufnahme jederzeit zur Verfügung.
Was Lehrer*innen wissen sollten
Lehrkräfte in den Regelschulen spielen eine entscheidende Rolle für den Erfolg von Kindern mit Hörimplantaten. Viele Lehrpersonen haben vielleicht noch keine Erfahrung mit Hörtechnologie, aber kleine Veränderungen können einen großen Unterschied machen. MED-EL empfiehlt:
- Sitzplatzwahl: Platzieren Sie das Kind möglichst weit vorne im Klassenzimmer und stellen Sie sicher, dass es das Gesicht der Lehrperson klar sehen kann (für Lippenlesen und visuelle Hinweise).
- Hintergrundgeräusche minimieren: Schließen Sie, wenn möglich, Fenster und Türen und nutzen Sie Teppiche und Vorhänge, um Schall zu dämpfen und eine ruhigere Hörumgebung zu schaffen.
- Verwenden Sie visuelle Hilfsmittel: Ergänzen Sie gesprochene Anweisungen durch bildliche oder schriftliche Materialien.
- Sprechen Sie klar und deutlich: Verdecken Sie den Mund nicht und drehen Sie sich beim Sprechen nicht von der Klasse weg.
- Alles verstanden? Vergewissern Sie sich, dass das hörbeeinträchtigte Kind die wichtigsten Aufgaben oder neue Inhalte tatsächlich verstanden hat.
- Technikkenntnis: Machen Sie sich mit den Grundlagen des Audioprozessors vertraut – etwa, wie Batterie zu wechseln sind. Es ist auch ratsam zu wissen, an wen Sie sich im Falle von Problemen wenden können.
- Ja zu Inklusion: Schaffen Sie ein Klassenklima, das Raum für Neugier und Vielfalt lässt.
Unterstützung für später implantierte Kinder
Kinder, die später im Leben ein Cochlea-Implantat erhalten, zeigen oft eine verzögerte Sprachentwicklung, die sich auf Wortschatz, Lesekompetenz und soziale Interaktion auswirken kann. „Später implantierte Kinder brauchen zusätzliche Unterstützung, um ihre Sprech- und Sozialkompetenz aufzuholen“, erklärt Joanna Shepherd. „Mit gezielten Strategien und der richtigen Technologie können diese Kinder in der Schule genauso erfolgreich sein und Freundschaften schließen.“ Zu diesen Strategien zählen das Vorab-Lernen von Schlüsselwörtern und Vokabeln zu neuen Themen, das Üben von Gesprächsstrategien (z. B. um Wiederholung zu bitten) und regelmäßige Hörpausen zur Erholung. Auch mit der Verwendung von externen Hörhilfen, Einzelförderunterricht und der Schaffung eines respektvollen und geduldigen Miteinanders in der Klasse unterstützen Lehrkräfte Kinder mit CI ungemein.
Ressourcen für Familien und Lehrpersonen
Um Familien und Schulen bei der Vorbereitung zu unterstützen, bietet MED-EL eine Reihe kostenloser Materialien, die von Hörspezialist*innen und Rehabilitationsexpert*innen entwickelt wurden:
· Binaurales Hören – ein Leitfaden für Lehrkräfte
· Tipps für Lehrpersonen von Kindern mit Hörimplantaten - MED-EL Professionals Blog
Diese Materialien unterstützen Familien und pädagogisches Personal, Kinder mit CI auf ihrem Bildungsweg kompetent zu begleiten. Informative Workshops und lehrreiche Weiterbildungen vervollständigen das Angebot - aktuelle Termine sind auf der Zentrum-Hören Website abrufbar.
Weitere Informationen und Ratgeber zum Download finden Sie auf der MED-EL Website sowie auf der Beratungsplattform der Initiative „Leben mit Hörverlust“.
*Ein FM-System ist ein kabelloses Gerät, das die Stimme des Sprechers direkt an den CI-Audioprozessor überträgt und so das Verstehen verbessert. Besonders in lauten Umgebungen wie Klassenzimmern ist diese Reduktion von Hintergrundgeräuschen wichtig.
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Über MED-EL
MED-EL Medical Electronics, ein führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Mittlerweile beschäftigt MED-EL mehr als 3.000 Personen aus 90 Nationen an 30 Standorten weltweit.
Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Menschen in 139 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL. Zu den Hörlösungen von MED-EL zählen Cochlea- und Mittelohrimplantat-Systeme, ein System zur Elektrisch Akustischen Stimulation, Hirnstammimplantate sowie implantierbare und operationsfreie Knochenleitungsgeräte. https://www.medel.com/de-at
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