Johannes

mit 4 Monaten implantiert

„Zwei Tage nach der Geburt von Johannes wurde routinemäßig ein Neugeborenen-Hörscreening in der Klinik durchgeführt, das an beiden Ohren auffällig war. Diese erste Diagnose war ein Schock.

Da in unserer Verwandtschaft jedoch niemand hörbeeinträchtigt ist, hofften wir auf einen Testfehler und ein besseres Ergebnis beim nächsten Screening. Im Alter von vier Wochen und sechs Wochen wurden erneut Hörtests bzw. eine EBERA-Messung durchgeführt, die bestätigten: Unser kleiner Johannes war gehörlos. Wir konnten und wollten es zu Anfang nicht glauben. Johannes wurde sofort mit Hörgeräten versorgt, die leider überhaupt keinen Erfolg brachten. Er reagierte nicht auf Geräusche, egal wie laut sie waren. Nur visuelle Reize erweckten seine Aufmerksamkeit. Eine Untersuchung bestätigte, dass Johannes bis 120 Dezibel keine Hörreaktion zeigte. Er würde also nicht einmal einen Jumbojet direkt neben sich hören.

Mein Mann und ich hatten uns gleich nach dem ersten Hörscreening intensiv mit dem Thema Gehörlosigkeit auseinandergesetzt und uns gut informiert. Bei unseren Recherchen stießen wir auf Cochlea-Implantatsyteme (CIs). Wir hatten intensiven Kontakt mit Eltern von Kindern, die ebenfalls mit einem CI versorgt waren und ihre wertvollen Erfahrungen mit uns teilten. Bald entschieden wir uns für eine Implantation.

Die Suche nach einer geeigneten CI-Klinik gestaltete sich nicht schwierig. Das CI-Team in Würzburg riet uns zu einer frühen Implantation. Nach Rücksprache mit dem Kinderarzt, dem Anästhesisten und dem HNO-Arzt, die uns alle Mut zu einer frühen Versorgung machten, entschlossen wir uns zur Implantation mit einem MED-EL Cochlea-Implantat.

Johannes war bei der Operation vier Monate alt und überstand die OP ohne jegliche Probleme. Während des kurzen stationären Aufenthalts bekam er seinen ersten Zahn und lernte, sich umzudrehen. Das gesamte CI-Team in Würzburg war uns eine große seelische Stütze.

Die Erstanpassung erfolgte sechs Wochen später. Wir hatten diesen Tag sehnsüchtig erwartet, aber auch gefürchtet. Wird unser Kleiner reagieren? Wird er hören? Der anwesende Audiologe spielte mit einer Triangel. Als Johannes den ersten Ton hörte, guckte er erstaunt und begann zu lachen. Wir waren direkt  eschockt über diese intensive Reaktion unseres Kleinen – und überglücklich! Das Spiel wiederholte sich bei jedem Ton. War der Triangelton nicht mehr hörbar, hörte auch Johannes zu lachen auf. Da Johannes noch so klein war, hatten wir beschlossen, die Erstanpassung über drei  Tage hinweg anzusetzen, und auch die nächsten beiden Tage waren so erfolgreich wie der erste Tag.

Wir beobachteten voller Freude, wie Johannes seine Umwelt hören konnte. Schon nach wenigen Wochen mit dem CI merkten wir seine Fortschritte. Nickte Johannes ein und wurde von einem lauten Geräusch geweckt, so suchte er sofort nach der Lärmquelle. Mittlerweile hat Johannes zu lautieren und brabbeln begonnen. Ohne CI gibt er jedoch keinen Ton von sich.

Wir beschäftigen uns intensiv mit Johannes und sprechen viel mit ihm. Auch die Frühförderung trägt maßgeblich zu seinen Erfolgen bei. Seine Fortschritte mit dem CI haben uns die Angst vor der Gehörlosigkeit genommen. Wir führen mit Johannes ein ganz normales Leben und unternehmen viel mit ihm. Normal hörende Kinder akzeptieren ihn mit seinem CI, sie wollen nur wissen, was Johannes am Ohr trägt, und spielen dann mit Johannes genauso wie mit einem normal hörenden Kind.

Ich kann nur voll Begeisterung von unserem MED-EL CI berichten und möchte anderen betroffen Eltern, die vor der selben Entscheidung wie wir damals stehen, Mut machen, den Schritt zu wagen und ihr Kind implantieren zu lassen.

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