Geoffrey Ball

Erfinder der VIBRANT SOUNDBRIDGE

Geoffrey Ball leidet seit einem schweren Fieberanfall in der Kindheit an einer Schallempfindungsschwerhörigkeit. Er wurde mit herkömmlichen Hörgeräten versorgt, die zwar die Lautstärke erhöhten, aber nie eine zufriedenstellende Klangqualität liefern konnten. Als er 15 Jahre alt war, fragte er seinen HNO-Arzt, welche Aussichten er auf die Versorgung mit implantierbaren Hörgeräten hätte. Die Antwort damals war, dass solche Geräte bereits in der Entwicklung seien und in fünf bis zehn Jahren zur Verfügung stehen könnten. Damals konnte er nicht ahnen, dass es weitere 18 Jahre dauern würde, bevor ihm Implantate eingesetzt würden, die er selbst konstruiert hatte.

Nach Abschluss seines Technikstudiums an der University of Oregon arbeitete Ball acht Jahre lang als Biomedizintechniker in einem Labor an der renommierten Stanford University in Kalifornien. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit vielen Gebieten der Hörforschung und erkannte dabei, dass sich die Schwingungen im menschlichen Ohr mit einem kleinen Signalwandler imitieren lassen. Die Stimulation des Mittelohrs mit mechanischen Schwingungen statt mit Klangwellen wird als "Direktantrieb" (direct drive) bezeichnet. Diese Erkenntnis gab Ball den Anstoß, sich intensiv mit einem möglichen Implantat zu beschäftigen. Er wusste, dass ein solches Gerät viele Vorteile haben würde, da der Gehörgang durch das System des Direktantriebs offen bleiben würde. Dadurch können unerwünschte Effekte wie Okklusion und Verzerrungen vermieden und die Erzeugung eines natürlichen Klangbilds ermöglicht werden.

Im Jahr 1992 war Ball nach weiteren Forschungsarbeiten schließlich überzeugt, dass ein elektromagnetischer Signalwandler die beste Wahl für das Direktantriebsystem ist. Mit diesem Wissen verbrachte Ball seine Abende in seinem eigenen Elektroniklabor und baute und testete neue Signalwandler. Eines späten Abends, nach vielen Fehlversuchen, stieß er eher zufällig auf ein System mit sofort offensichtlichen Vorteilen. Die Effizienz des Wandlers war wesentlich besser als die der bisherigen Konstruktionen, während die Operation relativ einfach zu bewerkstelligen sein würde.

"Plötzlich war alles klar. Die Konstruktion war so einfach und löste so viele Probleme… Ich wusste: Das ist es!", erinnert sich Ball.

Nach zahlreichen neuen Entwürfen ließ Ball seine Erfindung 1993 patentieren. Er gründete die Firma Symphonix und arbeitete weiter an der Verbesserung des Wandlers – eine Arbeit, die letztlich zur Entwicklung des Floating Mass Transducer (FMT) führte, der noch heute das Kernstück der Vibrant Soundbridge bildet.

Nach der Zulassung des Mittelohrimplantats in Amerika war Geoffrey Ball einer der ersten Patienten, denen eine Vibrant Soundbridge eingesetzt wurde. Einige Zeit später wurde er auch auf der zweiten Seite implantiert.

Als Technikchef von Symphonix widmete er sich der weiteren Verbesserung des Mittelohrimplantats. Als Symphonix die Geschäftstätigkeit einstellte, nahm die österreichische Firma MED-EL in Innsbruck im Juni 2003 die Vibrant Soundbridge in ihr Portfolio auf. Die Vibrant MED-EL Hearing Technology GmbH wurde gegründet, um das weltweit erfolgreichste Mittelohrimplantat zu vermarkten und weiterzuentwickeln, und Geoffrey Ball stieß als Technischer Direktor zum Vibrant MED-EL Team. Ball lebt heute mit seiner Frau und seinen Kindern in der Nähe von Innsbruck.

Die Beharrlichkeit von Geoffrey Ball hat weltweit vielen, die an Schallleitungs- und kombinierter Schwerhörigkeit leiden, geholfen. Und seine Erfindung wird es auch in Zukunft vielen Menschen ermöglichen, aktiver am Leben teilzunehmen.

"Mein Traum war es, die Lebensqualität für mich und alle zu verbessern, die an Hörverlust leiden", so Ball. "Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, anderen helfen zu können, das Leben in all seinen Facetten zu genießen und sich mit der Familie, den Freunden und den Kollegen auf der Arbeit zu unterhalten. Das war vorher unmöglich."

2000 wurde er zum "Engineer of the Year" für das beste Design ernannt, und 1998 erheilt er den "Sci3 Silicon Valley Entrepreneur Award".

Im Jahr 2002 erhielt Geoffrey Ball den Annunzio-Preis für Wissenschaft und Medizin (2. Platz).

2013 wurde er mit dem Life Award ausgezeichnet.

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