Zwei Ohren sind besser als eins

Bilaterale Cochlea-Implantation

Von bilateraler Implantation spricht man, wenn beide Ohren mit einem Cochlea-Implantatsystem versorgt werden. Das Hören mit zwei Ohren, auch als „binaurales Hören“ bezeichnet, bietet große Vorteile, wie die Möglichkeit, Schallquellen zu lokalisieren und Sprache und Störlärm in lauter Umgebung besser auseinanderzuhalten.1 Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass „Stereo“-Hören (Hören mit zwei Ohren) weniger anstrengend ist als „Mono“-Hören (Hören mit einem Ohr). MED‑EL nimmt seit 1996 eine Vorreiterrolle bei der bilateralen Implantation ein und gilt als führend auf diesem Gebiet.

Bilaterale Implantate bei Kindern
Implantierte Kinder müssen anders behandelt werden als implantierte Erwachsene. Im Unterschied zu Erwachsenen, die vielleicht früher hören konnten und diese Fähigkeit erst im Laufe der Jahre verloren haben, lernen diese Kinder Hören normalerweise nur anhand der Schallinformationen, die das Cochlea-Implantat bereitstellt. Wie allgemein bekannt ist, wird das Lernen mit zunehmendem Alter immer schwieriger. Denken Sie nur daran, wie schwer sich Erwachsene häufig mit dem Erlernen einer Fremdsprache tun. Es ist auch seit Langem bekannt, dass es im Leben eines Kindes ein „kritisches Zeitfenster“ für die optimale Nutzung von Schallinformationen für die Sprachentwicklung gibt. So haben Studienergebnisse z. B. gezeigt, dass Kinder, die bis zu einem Alter von 3½ Jahren beidseitig implantiert wurden, die Lernfähigkeiten des Gehirns am besten ausschöpfen konnten.2,3,4

Kliniker in Cochlea-Implantatzentren sammeln im Rahmen ihrer Arbeit routinemäßig Elternberichte5 über die Fortschritte ihrer Kinder. Der Großteil der Eltern berichtet, dass sich das Hörverhalten der Kinder mit dem zweiten CI deutlich zum Positiven geändert hat. Eltern beobachten, dass ihr Kind in Gruppen- und Alltagssituationen mit zwei Implantaten besser reagiert. Kinder scheinen Sprache mit einem geringeren Aufwand und weniger direktem Sprachtraining zu lernen und müssen sich beim Hören weniger konzentrieren als mit nur einem Implantat. Außerdem erzählen viele Eltern, dass ihr Kind nach der Schule weniger müde ist als mit nur einem CI. Andere Eltern berichten über eine deutliche Verbesserung im Sprachverständnis allgemein und von einem gestärkten Selbstvertrauen ihrer Kinder.

Bilaterale Implantate bei Erwachsenen
Die großen Vorteile einer bilateralen Implantation sind auch bei Erwachsenen gut dokumentiert. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Betroffenen nach einer bilateralen Implantation wieder feststellen können, aus welcher Richtung die Schallinformationen kommen6,7,8,9, und dass bilateral versorgte Erwachsene in der Lage sind, dieselben binauralen Effekte wahrzunehmen wie normal Hörende10,11,12,13. Außerdem scheint das Alter der Erwachsenen zum Zeitpunkt der Implantation keinen Einfluss auf die Leistung des Cochlea-Implantatsystems zu haben14, d. h., ältere Erwachsene können von einem CI in gleichem Maße profitieren wie jüngere.

Operation
Die meisten Chirurgen bestätigen, dass die Implantation eines zweiten Geräts sich praktisch nicht von der Implantation des ersten Geräts unterscheidet. Die Kandidaten müssen dieselben Voraussetzungen erfüllen, die Operationsrisiken sind die gleichen, und die potenziellen Vorteile/Einschränkungen, die für ein Implantat gelten, treffen auch auf das Tragen zweier Implantate zu. Es ist jedoch auch durchaus möglich, dass Ihr Implantationsteam andere Empfehlungen oder Meinungen zum Operationszeitpunkt hat bzw. vertritt. Die beidseitige Implantation kann gleichzeitig oder nacheinander erfolgen. Welche Variante für Sie infrage kommt, können Sie mit Ihrem Chirurgen besprechen.

Wenn Sie für sich oder Ihr Kind eine bilaterale Implantation erwägen, empfehlen wir, sich in Ihrem Implantatzentrum und von Ihrem Implantationsteam beraten zu lassen. Das Team wird Ihnen dabei helfen, entsprechend Ihrer Krankengeschichte und den Erfahrungen mit einem früheren Implantat angemessene Erwartungen zu entwickeln. Auch der Austausch mit anderen bilateral implantierten Nutzern ist sehr hilfreich. Zu diesem Zweck haben wir mit www.hearpeers.com eine Website entwickelt, über die Sie mit anderen bilateral versorgten MED‑EL Nutzern in Verbindung treten, Erfahrungen austauschen und live chatten können.

Der MED‑EL Vorteil
Der Erfolg von MED‑EL bei der bilateralen Implantation kann einer Vielzahl technischer Eigenschaften zugeschrieben werden. Vor allem die Kombination von Fine Structure Processing und tiefer Einführung der extrem flexiblen Elektrodenträger in die Cochlea liefert Nutzern ein Maximum an akustischen Informationen (Frequenzen). Fine Structure Processing wirkt sich auf die Menge und Detailgenauigkeit der Informationen aus, die das Implantat an den Hörnerv übermitteln kann.

Studien belegen, dass die Feinstruktur eines Schallsignals der Hauptträger von Zeitinformationen ist, die die Ortung (Lokalisierung) der Schallquellen im Raum ermöglichen. Fine Structure Processing ermöglicht eine genauere Simulation der Funktion der normalen Cochlea und wirkt sich erwiesenermaßen positiv auf das Sprachverständnis aus.15. Ein weiteres innovatives Merkmal von MED-EL Systemen ist die „FineTuner“ genannte Fernbedienung, mit der Benutzer jeden Alters einfach und schnell beide Audioprozessoren steuern können. Außerdem ist auch Hörzubehör erhältlich, mit dem bilateral implantierte Nutzer z. B. MP3-Player-Musik in Stereo hören können.

  1. Laske R.D., et al., 2009. Subjective and Objective results after bilateral cochlear implantation in adults. Otol Neurotol. Vol. 30. S. 313–318
  2. Sharma, A., Dorman, M. F., Kral, A. (2005). The influence of a sensitivity period on central auditory development in children with unilateral and bilateral cochlear implants. Hearing Research, 203, 134–143.
  3. Sharma, A., Gilley, P., Martin, K., Roland, P., Bauer, P., Dorman, M. (2007). Simultaneous versus sequential bilateral implantation in young children: Effects on central auditory system development and plasticity. Audiological Medicine, 5(4), 218–223.
  4. Sharma, A. und Dorman, M. (2006). Central Auditory Development in Children with Cochlear Implants: Clinical Implications. Advances in Otorhinolaryngology. Vol 64. Basel: Karger S. 66–88.
  5. Winkler F. et al., Würzburger Fragebogen zur Hörqualität bei Cl-Kindern (WH-CIK): Eine Pilotstudie J Laryngorhinootologie. 2002 Mar:81(3): S. 211–216.
  6. Nopp, P., Schleich, P., D’Haese, P. (2004). Sound localisation in bilateral users of MED-EL COMBI 40/40+ cochlear implants. Ear and Hearing, 25, 205–214.
  7. Schön, F., Müller, J., Helms, J., Nopp, P. (2005). Sound localisation and sensitivity to inter-aural cues in bilateral users of the MED-EL COMBI 40/40+ cochlear implant system. Otology and Neurotology, 26, 429–437.
  8. Senn, P., Kompis, M., Vischer, M., Häusler, R. (2005). Minimum audible angle, just noticeable interaural differences and speech intelligibility with bilateral cochlear implants using clinical speech processors. Audiology and Neurotology,10, 342–352.
  9. Grantham, D., Ashmead, D., Ricketts, T., Labadie, R., Haynes, D. (2007). Horizontal-plane localisation of noise and speech signals by postlingually deafened adults fitted with bilateral cochlear implants. Ear and Hearing, 28(4),524–541.
  10. Müller, J., Schön, F., Helms, J. (2002). Speech understanding in quiet and noise in bilateral users of the MED-EL COMBI 40/40+ cochlear implant system. Ear and Hearing, 23, 198–206.
  11. Schön, F., Müller, J., Helms, J. (2002). Speech reception thresholds obtained in a symmetrical four loudspeaker arrangement from bilateral users of MED-EL cochlear implants. Otology and Neurotology, 23, 710–714.
  12. Schleich, P., Nopp, P., D’Haese, P. (2004). Head shadow, squelch and summation effects in bilateral users of the MED-EL COMBI 40/40+ cochlear implant. Ear and Hearing, 25, 197–204.
  13. Litovsky, R., Parkinson, A., Arcaroli, J., Sammeth C. (2006). Simultaneous bilateral cochlear implantation in adults: a multicentre clinical study. Ear and Hearing, 27(6), 714–731.
  14. Noble W., et al., 2009. Younger- and Older-Age Adults with Unilateral and Bilateral Cochlear Implants: Speech and Spatial Hearing Self-Ratings and Performance. Otology & Neurotology. S. 1–9 
  15. Harnisch et al. Performance of long-time Tempo+ users is improved after switching over to the OPUS2 speech processor. Präsentiert auf dem 9th European Symposium on Paediatric Cochlear Implantation, Warschau, 2009

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